Handlese bei Domaine Huet – Vouvray, Loire

CHENIN BLANC

Knochentrocken, edelsüß und überschäumend — sieben Mal Chenin Blanc, sieben Mal anders.

Kennen Sie die Rebsorte, die alles kann?

Chenin Blanc. Knochentrocken mit Kreide auf der Zunge, cremige Halbsüße, Schaumwein, Dessertwein – keine andere weiße Rebsorte beherrscht ein solches Spektrum (außer vielleicht Riesling). Und keine andere speichert Jahrgänge so präzise: Jede Flasche ist ein Kalenderblatt. Sieben Flaschen, sieben Einträge.

Wir beginnen dort, wo man Chenin am wenigsten erwartet – im Roussillon.


Der Ausreißer: Chenin aus dem Roussillon

Chenin Blanc und Roussillon? Das klingt wie ein Übersetzungsfehler. Die Rebsorte gehört an die Loire, auf Tuffstein und Kreide. Aber auf dem Weingut Majas in Caudiès-de-Fenouillèdes, hoch in den Ausläufern der Pyrenäen, wächst Chenin auf Schiefer und Vulkangestein. Die Familie bewirtschaftet hier seit dem 19. Jahrhundert 30 Hektar. 2007 kam Tom Lubbe – der Mann hinter Matassa – und brachte die Wende: radikale Ertragsreduktion, biodynamische Umstellung, Weine, die nach dem Ort schmecken, an dem sie wachsen.

Chenin by Majas IGP 2024

Chenin by Majas IGP 2024

Chenin Blanc · Roussillon · ca. 14 €

11,5% Alkohol – in Südfrankreich ist das eine Ansage. Während ringsum Grenache Blanc mit 14% aus dem Tank kommt, macht Majas einen Chenin, der nach Bergluft und nassem Schiefer schmeckt. Mediterraner Chenin Blanc für 14 Euro: frisch, schlank, mit einer Salzigkeit, die an die Loire erinnert – obwohl der nächste Tuffstein 800 Kilometer entfernt ist.

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Loire: Die Heimat

An der Loire heißt Chenin Blanc noch immer „Pineau de la Loire". Die Rebsorte ist hier seit dem 9. Jahrhundert dokumentiert. Sie liebt Tuffstein, Kreide, kühle Morgennebel – und Winzer, die ihr Zeit lassen. Drei Weingüter, drei Philosophien, ein gemeinsamer Nenner: Bei Chenin Blanc macht der Boden die Arbeit. Der Ausbau tritt zurück.

Les Pieds Rôtis AOP 2023 – Château de Coulaine

Les Pieds Rôtis AOP 2023 – Château de Coulaine

Chenin Blanc · Chinon · ca. 17 €

Ein gotisches Schloss, neunte Generation seit 1300, Jean de Bonnaventure am Ruder. 1997 ließ er das Weingut als erstes in der Appellation bio-zertifizieren – als die Nachbarn noch Roundup spritzten. „Les Pieds Rôtis" ist der einzige Weißwein des Hauses: eine Einzellage, 40 Jahre alte Reben. Quitte, Austernschale, Anis – Kreide und Salz, die im Glas immer weiter aufblättern.

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Domaine Huet: Die Legende

55 Jahre lang hat Gaston Huet in Vouvray Chenin Blanc gemacht und die Rebsorte „la vigne du clair de lune" genannt – die Rebe des Mondlichts. Das Weingut, 1928 gegründet, trägt seit 1993 das Demeter-Siegel, zu einer Zeit, als Biodynamie in Frankreich noch ein Schimpfwort war. Drei Lagen, drei Weltklasse-Terroirs: Le Haut-Lieu, Le Mont, Clos du Bourg. Jede Lage produziert sec, demi-sec und moelleux – je nach Jahrgang. Die Reben entscheiden, nicht der Winzer.

Le Haut-Lieu sec 2024 – Domaine Huet

Le Haut-Lieu sec 2024 – Domaine Huet

Chenin Blanc · Vouvray · ca. 33 €

Le Haut-Lieu ist die wärmste der drei Huet-Lagen, nach Süden exponiert, auf Ton und Kiesel über Tuffstein. Der 2024er Sec zeigt Chenin in seiner straffsten Form: Grüner Apfel, Birne, Quitte, Akazienblüten – und eine Kreidemineralität, die den Gaumen regelrecht schrubbt. Dieser Wein gefällt nicht — er fordert. Zehn Jahre Lagerpotenzial, mindestens.

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Le Mont Moelleux 2023 – Domaine Huet

Le Mont Moelleux 2023 – Domaine Huet

Chenin Blanc · Vouvray · ca. 45 €

Und jetzt der Beweis, dass Chenin auch süß und todernst sein kann: 74 Gramm Restzucker, auf dem Papier ein Dessertwein — aber im Glas schneidet die Säure durch den Zucker wie ein Skalpell. Quitte, Kumquats, Mango, brauner Zucker, Rauch – und eine Spannung zwischen Süße und Säure, die sich über Jahrzehnte weiterentwickelt. Le Mont ist die kühlste Huet-Lage, geprägt von Silex-Kieseln. Wer Süßweine für kitschig hält, hat diesen noch nicht probiert.

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Vouvray Pétillant Brut 2017 – Domaine Huet

Vouvray Pétillant Brut 2017 – Domaine Huet

Chenin Blanc · Vouvray · ca. 30 €

Und damit wäre das Spektrum komplett: Huet macht aus Chenin auch Schaumwein — nach der Méthode Traditionnelle, mit zweiter Gärung in der Flasche. Sieben Jahre auf der Hefe. Kandierter Ingwer, Akazienhonig, Quitte — und eine kreidige Mineralität, die den Wein vom Champagner unterscheidet und gleichzeitig ebenbürtig macht. Wer denkt, Schaumwein müsse aus der Champagne kommen, hat diesen noch nicht probiert.

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Zwei Quereinsteiger, zwei Meisterwerke

Dass die besten Chenin Blancs nicht immer von alteingesessenen Loire-Dynastien kommen, beweisen diese beiden Weine: eine Burgunderin, die nach Anjou ging, und ein Maler, der Chinon revolutionierte. Was sie verbindet: Beide lesen jeden Jahrgang als Archiv ihres Bodens.

Chenin blanc AOC 2022 – Clau de Nell

Chenin blanc AOC 2022 – Clau de Nell

Chenin Blanc · Anjou · ca. 49 €

Anne-Claude Leflaive – ja, die Leflaive aus Puligny-Montrachet – entdeckte 2008 ein verlassenes Gut im Anjou mit hundertjährigen Reben auf Tuffstein: 4,5 Hektar Chenin, Durchschnittsalter 60 Jahre, unter 30 Hektoliter pro Hektar, biodynamisch seit Tag eins. Seit 2009 führt der ehemalige Sommelier Sylvain Potin das Weingut. Pfirsich, Aprikosenhaut, Honigmelone, Verbene, salzige Mineralität – ein Chenin, der nach Burgunder-Ambition schmeckt, verankert in Loire-Tuffstein.

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Charles Joguet, Chinon – Maler, Bildhauer, Winzer. 1 Hektar handgehauener Tuffsteinkeller.

Les Charmes blanc AOC 2022 – Charles Joguet

Les Charmes blanc AOC 2022 – Charles Joguet

Chenin Blanc · Chinon · ca. 39 €

Charles Joguet war Maler und Bildhauer, bevor er 1957 das Familienweingut übernahm und Chinon revolutionierte — 30 Hektar, davon 5 mit Chenin Blanc, von Michel Bettane zum „besten Weingut von Chinon" gekürt. Der Keller allein ist ein Kunstwerk: ein Hektar, von Hand in den Tuffstein gehauen, unter 0,5 Grad Temperaturschwankung. Reife Birne, Quitte, weiße Blüten, Honigmelone, Bienenwachs – ein Chenin mit der Ruhe und Tiefe eines Künstlers, der weiß, wann das Bild fertig ist.

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Sieben Weine, eine Rebsorte. Von 14 bis 49 Euro, von knochentrocken bis 74 Gramm Restzucker — vom Pyrenäen-Schiefer bis zum Loire-Tuffstein. Wer Chenin Blanc verstehen will, trinkt sich durch diese Auswahl.

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Herzliche Grüße

David
Lebendige Weine

P.S.: Trocken oder süß, jung oder gereift – Chenin Blanc zeigt seine Facetten am besten im Zalto Universal. Das einzige Glas, das für den Haut-Lieu sec und den Mont Moelleux gleichermaßen funktioniert. Mundgeblasen und spülmaschinenfest.