Es gibt ein Verkostungsformat, das wir seit einiger Zeit mögen: sechs Gläser, sechs verschiedene Weine einer Rebsorte, nichts anderes.
Diesmal: Grüner Veltliner.
Ein Sekt, der 42 Monate auf der Hefe lag. Ein leicht trüber, ungefilterter vom Wiener Nussberg. Einer aus dem Kamptal, gewachsen auf Urgesteinsverwitterung. Ein Wagramer, dessen Boden aus Muschelschalen des Paratethysmeeres besteht. Einer, der neun Tage in einer georgischen Tonamphore vergoren hat. Und ein Einzellagenwein aus Sankt Georgen, den Roland Velich ausbaut, als wäre er ein Puligny-Montrachet.
Wer die sechs nebeneinander probiert, erkennt kaum noch, dass es dieselbe Rebsorte ist. Grüner Veltliner ist gerade in seiner stilistisch breitesten Phase — breiter als in den Smaragd-Jahren der Neunziger, breiter als in der Zeit der großen Kellerbauten um 2010. Amphorenwein, Sekt, Naturwein, Grand-Cru-Imitat: alles gleichzeitig, alles ernst gemeint.
Sechs Winzer, die diese Spannweite sichtbar machen. Von der Donau bis ans Pannonische Becken.
Verkostungspaket Grüner Veltliner
6 Flaschen · ca. 217 € →
Wie es funktioniert: ein Klick auf den Button legt alle sechs Flaschen auf einmal in Ihren Warenkorb. Von dort aus können Sie einzelne Weine tauschen, rausnehmen oder kombinieren. Es ist ein Vorschlag, kein geschlossenes Set.
Nikolaihof

Wer in den Gewölbekeller des Nikolaihofs hinuntergeht, steht auf Fundamenten aus dem Jahr 63 vor Christus. Darüber, im Innenhof, die Agapitus-Kapelle aus dem Mittelalter. Der Weinberg „Im Weingebirge" ist seit dem Jahr 470 urkundlich erwähnt — die wohl älteste dokumentierte Weinbauadresse Europas.
Als Christine Saahs 1971 einheiratete, brachte sie Rudolf Steiners Prinzipien mit in den Keller. Der Nikolaihof wurde daraufhin Österreichs erstes Demeter-Weingut. In der Wachau ist er bis heute der einzige. Die Stillweine liegen oft zwanzig Jahre in großen Holzfässern, bevor sie auf den Markt kommen. Der Sekt ist die schnellere Variante — schneller im Sinn von bloß vier Jahren.
Brut Nature Zéro Dosage Méthode traditionelle
Der Sekt zum Auftakt. Biodynamischer Wachauer Sekt, 42 Monate Hefelager, keine Dosage — und statt Champagner-Effekt die salzige Mineralität der Wachau in der Flasche. Die Perlage fein, nicht stürmisch. In der Nase reifer Bratapfel, Marille, Sauerteigkruste. Am Gaumen austariert, mit einer Säure, die nicht sticht. Zwei Tage offen im Kühlschrank sind für ihn keine Prüfung. Er hält.
Hajszan Neumann

Wien ist die einzige europäische Großstadt mit Weinbau innerhalb der Stadtgrenzen — rund 600 Hektar, die meisten davon am Kahlenberg und am Nussberg über der Donau. Fritz Wieninger ist dort seit Jahrzehnten die zentrale Figur. Er führt zwei Weingüter parallel. Bei Wieninger regiert die klassische Linie. Bei Hajszan Neumann macht er, was an der anderen Adresse nicht passen würde.
Am Nussberg stehen seine ältesten Reben, manche über achtzig Jahre. Der Boden: verwitterter Kalkstein mit wenig Humus und viel Gestein. Vergärung spontan, keine Filtration, minimal Schwefel. Bühne für die Reben, nicht für den Kellermeister.
Grüner Veltliner Nussberg 2024
Leicht trüb im Glas, fast opaleszierend — nicht als Mangel, sondern als Haltung. Im ersten Moment verhalten, dann öffnen sich Maracuja und kandierte Orangenzeste, dazu weißer Pfeffer, der nicht scharf, aber deutlich ist. Am Gaumen setzt eine salzig-jodige Note ein, die man sonst eher aus Chablis kennt — der Wiener Kalkstein meldet sich zu Wort. Kein gefälliger Wein. Einer mit Haltung.
Loimer

Fred Loimer übernahm das Familienweingut 1998 und hat es seitdem konsequent umgebaut: Architektur, Keller, Weinberg. Der schwarze Kubus in den Weinbergen von Langenlois war 2003 ein Statement. Die Umstellung auf Biodynamie 2006 war das nächste. Ein Jahr darauf Mitgründer von respekt-BIODYN — einer Zertifizierung, die strenger als Demeter ist in einem Punkt: Sie reguliert nicht nur den Weinberg, sondern auch den Keller.
Das Kamptal ist ein geologischer Flickenteppich. Urgestein, Löss, Kalk, vulkanische Einschübe — alles in zehn Kilometern Entfernung. Loimer bearbeitet die Einzellagen mit gleicher Hand. Dass die Weine sich trotzdem deutlich unterscheiden, ist der Punkt. Die Lage spricht, nicht der Keller.
Ried Käferberg 1.ÖTW DAC 2023
Der Käferberg wurzelt auf Urgesteinsverwitterung — kein Löss, kein Kalk, sondern blanker Fels. Der Wein übernimmt diese Härte. Weißer Pfeffer, grüner Apfel, Steinobst — bis dahin Lehrbuch. Aber dann kommt der Gaumen: steinig, kühl, salzig, mit einer straffen Säurelinie. Nichts drückt, nichts schmeichelt. Einer dieser GVs, die in zehn Jahren wahrscheinlich besser sind als heute.
Fritsch

Der Wagram ist keine Hügelkette, auch wenn er so aussieht. Er ist eine fossile Meeresküste. Vor etwa 15 Millionen Jahren reichte das Paratethysmeer bis hierher, dort wo heute die Donau fließt. Was zurückblieb, sind meterdicke Lössschichten, durchsetzt mit Kalk aus zermahlenen Muschelschalen. Ein Boden wie ein Schwamm: viel Wasserkapazität, langsame Reife, spezifische Struktur.
Karl Fritsch führt das Weingut in dritter Generation, seit 2006 biodynamisch. Sein Satz: „Ich bin eben nicht so gut wie die Natur." Er greift wenig ein. Wer ihn länger über Weinbau reden lässt, hört Varianten davon alle paar Minuten.
Ried Schlossberg 1.ÖTW 2023
Reife Williams-Birne, weißer Pfeffer, ein Anflug Akazienhonig. Am Gaumen straff und salzig, mit einer langen würzigen Spur. Was den Schlossberg vom Kamptaler Käferberg trennt, kann man am gleichen Abend probieren: mehr Schmelz, mehr Substanz in der Mitte, weicher in der Kontur. Der Unterschied zwischen Urgestein und Löss, direkt auf der Zunge.
Zillinger

Hans Zillinger stellte 1984 auf biologischen Anbau um — zwei Jahre vor dem Glykolskandal, der Österreichs Weinbranche in den Grundfesten erschütterte und den Ruf des Landes auf Jahre ruinierte. Sein Sohn Johannes übernahm 2012 und zog die Linie weiter. Demeter, Schafe zwischen den Reben, selbst angebaute Kräuter für die biodynamischen Präparate.
2011 reiste er nach Georgien. Diese Reise änderte etwas. Heute entstehen über 60 % seiner Weine in georgischen Kvevri und in großen Holz- und Akazienfässern. Der NUMEN ist sein radikalster Grüner Veltliner: neun Tage Maischekontakt, dann 22 Monate auf der Feinhefe.
NUMEN Grüner Veltliner 2021
Goldgelb mit leichtem Bernsteinstich. Walnuss, Salbei, junge Mango, weißer Pfeffer — eine Nase, die man bei GV selten antrifft. Am Gaumen ein süß-salziges Spiel ohne Restzucker, getragen von feinen Gerbstoffen aus der Maischegärung. Tannine im Weißwein, die hier tatsächlich funktionieren. Ein Wein, der die Grenze zwischen GV und Orangewein nicht vermeidet, sondern nutzt.
Moric

Roland Velich war Skilehrer, dann Croupier, dann Mitwinzer im Familienbetrieb Velich, bevor er 2001 Moric gründete — mit einer Idee, die damals niemand verfolgte: Blaufränkisch nicht als opulenten, holzbetonten Rotwein zu denken, sondern näher an Gevrey-Chambertin. Alte Reben, Kalk- und Vulkanböden in Lutzmannsburg und Neckenmarkt, offene Holzbottiche, geduldige Ausbauzeit.
Zwanzig Jahre später: erster österreichischer Rotwein mit 95 Parker-Punkten, James Sucklings Top 9 der Welt, Falstaff Winzer des Jahres 2023. Was er mit Blaufränkisch begonnen hat, setzt er jetzt mit Grüner Veltliner fort. Eine kleine Parzelle in Sankt Georgen bei Eisenstadt, alte Reben, Kalksteinuntergrund. Spontangärung, 500-Liter-Fässer, burgundisches Vorbild.
★ Sankt Georgen „Aka Serious wine from a Gorgeous place" 2023
Einzellagen-GV vom Falstaff-Winzer-des-Jahres, burgundisch ausgebaut auf Kalkstein. Direkt aus der Flasche verweigert er sich — verschlossen, reduktiv, fast stur. Velich empfiehlt die Karaffe, und er hat recht. Nach zwanzig Minuten öffnet sich der Wein: Quitte, gelber Apfel, weiße Blüten. Darunter eine salzig-kalkige Basis, die so sehr an Meursault erinnert, dass man zweimal hinschauen muss, ob auf dem Etikett wirklich Grüner Veltliner steht. Am Gaumen schwebend, ohne leicht zu sein. Ein Wein, den man langsam trinkt, mit Essen, über zwei Stunden.
Das Verkostungspaket
Sechs Flaschen, sechs Winzer, sechs Böden — ein Paket, das die Spannweite direkt auf den Tisch bringt. Am besten zu sechst, im direkten Vergleich, mit kleinen Brotstücken dazwischen.
1× Nikolaihof Brut Nature — Wachau, der Sekt zum Auftakt
1× Hajszan Neumann Nussberg — Wien, ungefiltert, Kalkstein-jodig
1× Loimer Käferberg — Kamptal, Urgestein, steinig-kühl
1× Fritsch Schlossberg — Wagram, Löss mit Muschelschalen
1× Zillinger NUMEN — Weinviertel, neun Tage in der Amphore
1× Moric Sankt Georgen „Aka" — Burgenland, burgundischer Ausbau
Verkostungspaket Grüner Veltliner
6 Flaschen · ca. 217 € →
Wie es funktioniert: ein Klick auf den Button legt alle sechs Flaschen auf einmal in Ihren Warenkorb. Von dort aus können Sie einzelne Weine tauschen, rausnehmen oder kombinieren. Es ist ein Vorschlag, kein geschlossenes Set.
Wer tiefer einsteigen möchte: Wir führen über sechzig weitere Grüne Veltliner aus allen österreichischen Anbaugebieten.





