Elisabetta Foradori

Fünf Frauen. Zehn Weine. Null Kompromisse.

(K)ein Frauentags-Newsletter. Sondern Barolo, Nerello, Riesling, Teroldego und Grenache.

Irgendwann nach Mitternacht schleicht eine Frau durch ihre Rebzeilen im Piemont. Sie schneidet grüne Trauben ab – heimlich, damit die Nachbarn es nicht sehen. In Sizilien kauft eine 22-Jährige ihren ersten Hektar aufgelassener Reben. An der Nahe lernt eine junge Önologin im Keller der Romanée-Conti. Im Trentino übernimmt eine 19-Jährige ein Weingut, das sie nicht aufgeben will. Und im Priorat investiert eine Pariserin ihre gesamten Ersparnisse in 17 Schieferterrassen.

Fünf Frauen. Fünf Regionen. Fünf Top-Weingüter.


Elisabetta Foradori
Die Teroldego-Retterin

Neunzehn, mitten im Studium. Acht Jahre nach dem Tod des Vaters stand Elisabetta Foradori 1984 vor einer Wahl: das Weingut im Campo Rotaliano aufgeben oder alles auf eine Karte setzen. Sie blieb. Während ganz Italien auf Cabernet umschwenkte, setzte sie alles auf Teroldego – eine Rebsorte, die beim Konzil von Trient ausgeschenkt wurde und dann fast verschwand.

Heute: 28 Hektar unter Demeter-Zertifizierung, über 30 Mal Tre Bicchieri vom Gambero Rosso. Die Weine reifen in spanischen Tonamphoren. Sohn Emilio leitet seit 2013 die Vinifikation. Tochter Myrtha betreibt den biodynamischen Bauernhof mit Tiroler Grauvieh zwischen den Reben. Elisabetta selbst? Steht in der hauseigenen Käserei – und gründete nebenbei mit Freunden Ampeleia in der Maremma.

Lezèr 2024

Lezèr 2024

Teroldego · Trentino · ca. 19 €

Leggero – der Leichte. Ein Teroldego, der nicht dunkel und wuchtig daherkommt, sondern helles Kirschrot zeigt und nach Heidelbeere und Holunder duftet. Der perfekte Einstieg in die Foradori-Welt: trinkig, kühl, mit einem Hauch Wildkraut im Finish. Ideal bei 14 Grad auf der Berliner Terrasse.

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Granato 2021

Granato Teroldego 2021

Teroldego · Trentino · ca. 61 €

Das Flaggschiff. Seit 1986 vinifiziert, vielfach mit Tre Bicchieri ausgezeichnet. Dunkle Veilchen, wilde Brombeeren, eine fast salzige Mineralität, die nach nassem Dolomit-Gestein schmeckt. Reift in Tonamphoren statt Barrique – weil Elisabetta erkannte, dass Holz den Teroldego überlagert. Dieser Wein kann 20 Jahre reifen.

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Chiara Boschis – E.Pira & Figli
Die Grande Dame des Barolo

Als Gigi Pira 1980 ohne Erben starb, überredete Chiara ihre Eltern, ihr Haus zu verpfänden, um das Weingut zu kaufen. 1990 übernahm sie die Leitung – als erste Frau, die ein Weingut in der Langhe besaß und führte. Dann die nächtlichen Grünernten, weil die Nachbarn sie für verrückt erklärt hätten. Der erste Jahrgang gewann direkt den Tre Bicchieri.

Als einzige Frau unter den legendären Barolo Boys revolutionierte sie den Wein gemeinsam mit Elio Altare und Domenico Clerico: kürzere Mazeration, französische Barriques, frühere Zugänglichkeit. 0,7 Hektar im Cannubi, 300 Kisten pro Jahr – nicht mehr. Seit 2014 komplett biologisch. Sie überzeugte 80 Prozent der Cannubi-Winzer, ebenfalls auf Bio umzustellen.

Dolcetto d'Alba 2023

Dolcetto d'Alba DOC 2023

Dolcetto · Piemont · ca. 19 €

Das Mittagessen der Langhe: saftig, dunkelfruchtig, sofort zugänglich. Brombeere, Mandel, ein Hauch Bitterschokolade im Finish. Kein Wein, der Aufmerksamkeit fordert – einer, der stillschweigend die Flasche leert. Aus demselben Keller wie der Cannubi-Barolo, zum Bruchteil des Preises.

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Barolo Cannubi 2021

Barolo Cannubi DOCG 2021

Nebbiolo · Piemont · ca. 135 €

Cannubi: die berühmteste Lage des Barolo. Klone Michet, Lampia und Rosé, gepflanzt 1982 auf 0,7 Hektar. Rosenblätter, Teer, getrocknete Kirschen – monumentale Kraft bei seidigem Tannin. Ein Wein, der in 10 Jahren Geschichten erzählen wird, die heute noch niemand kennt. 300 Kisten. Wenn er weg ist, ist er weg.

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Arianna Occhipinti
Das Gesicht des sizilianischen Naturweins

Mit 22 kaufte sie ihren ersten Hektar aufgelassener Reben bei Vittoria. Heute bewirtschaftet Arianna Occhipinti 42 Hektar in neun Contrade – und kein Tropfen Bewässerungswasser hat jemals diese Weinberge erreicht. Eine radikale Entscheidung in der sizilianischen Hitze.

Während andere sizilianische Winzer auf internationale Sorten setzten, stellte sie alles auf Frappato – eine autochthone Rebsorte, die seit 1760 in Vittoria dokumentiert ist. Ihr berühmtester Wein, der SP68, trägt den Namen der staubigen Landstraße am Weingut: dieselbe Route, auf der seit Jahrtausenden sizilianischer Wein zu den Häfen transportiert wurde. Biodynamisch seit 2009. Spontanvergärung. Keine Schönung, keine Filtration.

SP68 Rosso 2024

SP68 Rosso 2024

Frappato, Nero d'Avola · Sizilien · ca. 20 €

70 Prozent Frappato, 30 Prozent Nero d'Avola. 30 Tage Mazeration, indigene Hefen, Zementtanks. Ungefiltert, ungeklärt, ungeschminkt. Das Ergebnis schmeckt nach roten Kirschen, Wildkräutern und Mittelmeer-Macchia. Leicht gekühlt servieren – dieser Wein liebt den Frühling.

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Il Frappato 2023

Il Frappato 2023

Frappato · Sizilien · ca. 33 €

Reinsortiger Frappato aus Buscherziehung (Alberello). Kein Holz, kein Makeup – nur die Rebsorte und ihr Boden aus Sand und Kalkstein. Granatapfel, Rosenblätter, eine Prise schwarzer Pfeffer. Die Eleganz eines Pinot Noir, die Lebensfreude Siziliens. Arianna hat dieser fast vergessenen Sorte eine Stimme gegeben.

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Caroline Diel – Schlossgut Diel
Winzerin des Jahres, Nahe

Siebte Generation auf Burg Layen, seit 1802 in Familienbesitz. Önologie-Studium in Geisenheim. Dann Bordeaux, bei Château Pichon Longueville. Dann Burgund, bei der Domaine de la Romanée-Conti. 2006 übernahm sie den Keller. Seitdem: Winzerin des Jahres bei Falstaff, Feinschmecker und FAZ.

Drei Große Lagen, drei geologische Welten: Devonschiefer im Pittermännchen, Kiesellehm im Goldloch, Eisenlehm im Burgberg. 26 Hektar, 65 Prozent Riesling. Selektive Handlese, Spontanvergärung. Dazu der Pinot de Diel – Winzersekt aus Burgundersorten, jahrelang auf der Hefe gereift. Alle drei Lagen wurden bereits 1901 als erstklassig dokumentiert – lange bevor das VDP-System existierte.

Nahesteiner Riesling Kabinett 2024

Nahesteiner Riesling Kabinett 2024

Riesling · Nahe · ca. 12 €

Zwölf Euro für einen Riesling vom VDP-Fünf-Sterne-Weingut. Pfirsich, Limette, feine Restsüße – leichtfüßig bei niedrigem Alkohol. Die perfekte Flasche für den ersten warmen Abend auf dem Balkon. Wer diesen Wein als "nur Kabinett" abtut, hat Kabinett nicht verstanden.

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Riesling Burgberg GG 2022

Riesling Burgberg Grosses Gewächs 2022

Riesling · Nahe · ca. 60 €

Der Burgberg: eine Kesselform mit eisenhaltigem Lehm. Salzige Mineralität, rauchige Tiefe, Aromen von nassem Feuerstein und reifen Zitrusfrüchten. Kein Wein zum Gefallen – einer, der Haltung zeigt. Die Spontanvergärung gibt ihm eine Textur, die an die besten Burgunder erinnert. Nicht umsonst war Caroline bei der DRC.

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Daphne Glorian – Clos i Terrasses
Die 100-Punkte-Frau aus dem Priorat

1989 überredeten Álvaro Palacios und René Barbier ihre Freundin Daphne Glorian zu einem Abenteuer: alle Ersparnisse in alte Garnacha-Reben auf 17 Terrassen bei Gratallops investieren. Die ersten zehn Jahrgänge entstanden in Barbiers Keller. Daraus wurde Clos Erasmusder erste Wein des Priorat, der 100 Parker-Punkte erhielt. Mehrfach.

1,7 Hektar auf reinem Llicorella-Schiefer, teils über 80 Jahre alte Reben. Maximal zwölf Barriques pro Jahrgang. Biodynamisch seit 2004. Der Name Laurel – ihr zweiter Wein – ist die englische Übersetzung ihres griechischen Vornamens Daphne: Lorbeer.

Laurel 2022

Laurel 2022

Garnacha, Syrah, Cabernet Sauvignon · Priorat · ca. 54 €

Der "kleine" Bruder des Clos Erasmus – der alles andere als klein ist. Dunkle Frucht, schwarze Oliven, eine Mineralität, die nach dem Schieferstaub dieser 17 Terrassen schmeckt. Zugänglicher als sein großer Bruder, aber nicht weniger faszinierend. Priorat in Perfektion.

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Clos Erasmus 2022

Clos Erasmus 2022

Garnacha, Syrah · Priorat · ca. 335 €

Das Monument. Mehrfach 100 Parker-Punkte. Alte Garnacha auf Llicorella-Schiefer, biodynamisch, zwölf Barriques pro Jahr. Dunkel, würzig, dabei seidig und von kühler Eleganz – ein Wein, den man nicht trinkt, sondern erlebt. Für Sammler und für besondere Momente.

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Was sie verbindet

Keinen dieser Weine trinkt man, weil eine Frau ihn gemacht hat. Man trinkt sie, weil sie außergewöhnlich sind. Aber es lohnt sich zu fragen, warum fünf der kompromisslosesten Weingüter unseres Sortiments von Frauen geführt werden, die sich irgendwann entschieden haben, alles auf eine Karte zu setzen – eine Rebsorte, eine Lage, eine Überzeugung.

Von Trentino bis Sizilien, von der Nahe bis ins Priorat: Was bleibt, sind Weine, die nach ihrem Ort schmecken. Nicht nach einer Mode, nicht nach einem Berater, nicht nach einem Punktesystem. Sondern nach dem, was passiert, wenn jemand sein Haus verpfändet, nachts Trauben schneidet und nicht aufgibt.

Alle Weine dieser Winzerinnen entdecken

Herzliche Grüße aus Berlin,

David und das Team von
Lebendige Weine

P.S.: Ob Teroldego, Frappato oder Riesling – das Zalto Universal bringt sie alle zum Klingen. Mundgeblasen, dünnwandig, spülmaschinenfest. Das einzige Glas, das Sie brauchen.