42 Hektar, sechs Grand Crus, ein Mann, der seine Biodynamik-Kenntnisse durch das Studium von Kuhmist verfeinerte. Olivier Humbrecht war 1989 der erste Franzose mit Master-of-Wine-Titel. Zurück im Elsass stellte er das Familienweingut auf Biodynamik um, ließ Pferde in die steilsten Weinberge Europas zurückkehren und begann, seine Weine nach dem zu benennen, was wirklich zählt: dem Gestein unter den Reben.
Domaine Zind-Humbrecht – dreizehn Generationen seit 1620, und ein Portfolio, das das Elsass in seiner ganzen geologischen Vielfalt abbildet. Von Kiesel über Kalk und Granit bis zu Vulkangestein. 144 ihrer Weine haben wir im Sortiment – vermutlich die größte Auswahl Zind-Humbrecht in Europa. Sieben davon stellen wir Ihnen heute vor.
Vom Schwemmland zum Vulkan
Kein anderes Weingut im Elsass macht Terroir so buchstäblich greifbar wie Zind-Humbrecht. Die „Roche"-Linie – Roche Calcaire, Roche Volcanique, Roche Granitique – liest sich wie ein geologischer Reiseführer. Jeder Wein schmeckt nach seinem Boden, nicht nach seinem Ausbau. Mindestens sechs Monate Hefekontakt, ein bis zwei Jahre Reifezeit im Keller, Erträge von 30-40 Hektolitern pro Hektar. Die Weine müssen warten können, bevor sie sprechen dürfen.
Riesling Turckheim 2024
Riesling · Elsass · ca. 21 €
Der Einstieg ins Zind-Humbrecht-Universum. Flachlagen von Turckheim, kiesige Schwemmlandböden der Fecht. Knochentrockener Riesling für 21 Euro, biodynamisch, von einem Master of Wine. Intensiv im Duft, elegant am Gaumen, mit einer Mineralität, die verrät: Hier beginnt eine Reise, die bis zum Vulkangestein führt.
Riesling Roche Calcaire 2022
Riesling · Elsass · ca. 31 €
„Roche Calcaire" heißt Kalkstein – und genau das schmeckt man. Junge Reben aus den Grand-Cru-Lagen Goldert und Hengst bei Gueberschwihr, die noch nicht alt genug für den Grand-Cru-Status sind. 2022 war heiß, doch dieser Riesling bleibt trocken, präzise – Kreide, Zitronenzeste, nasser Stein. Der Kalk gibt dem Wein Straffheit und Länge, wo andere Jahrgänge Opulenz zeigen.
Olivier Humbrecht MW – erster französischer Master of Wine, Winzer in dreizehnter Generation
Monopollagen & Grand Crus
Zind-Humbrecht besitzt drei Monopollagen – Clos Windsbuhl, Clos Häuserer, Clos Jebsal – und bewirtschaftet sechs Grand Crus auf 11,5 Hektar. Seit 2019 arbeitet Pierre Émile Humbrecht als dreizehnte Generation mit. Vater Léonard hatte 1981 als erster Winzer Frankreichs Kühlsysteme in Holzfässer installiert. Der Innovationsgeist liegt in der Familie.
Crémant d'Alsace Clos Windsbuhl 2023
Chardonnay · Elsass · ca. 35 €
Ein Crémant von einer Grand-Cru-Lage? Das macht sonst niemand. 100% Chardonnay vom legendären Clos Windsbuhl, Brut Nature – null Dosage. Muschelkalk-Boden, Einzellage, biodynamisch. Das Ergebnis ist ein Schaumwein, der mit manchem Champagner konkurrieren kann. Für 35 Euro. Wer hier nicht zugreift, hat die Pointe nicht verstanden.
Pinot Gris Clos Windsbuhl 2022
Pinot Gris · Elsass · ca. 61 €
54 Jahre alte Reben auf Muschelkalk. Der Clos Windsbuhl ist eine historische Monopollage, die nur Zind-Humbrecht gehört. Hier wird Pinot Gris zum Meditationsobjekt: Weder fett noch süß, sondern straff, rauchig, fast salzig – ein Grauburgunder, der das Wort „mineralisch" verdient. Die Textur kommt von monatelangem Hefekontakt, die Spannung vom Kalk.
Grand Cru Rangen de Thann – der steilste Weinberg des Elsass
Der rote Ausreißer
Zind-Humbrecht und Rotwein? Ja – von genau einer Parzelle. 0,32 Hektar Heimbourg, eisenreicher Oligozän-Kalk, Pinot Noir. Ein Weingut mit 42 Hektar Weißwein leistet sich diesen einen Rotwein. Das allein sagt alles über die Lage.
Pinot Noir Heimbourg 2022
Pinot Noir · Elsass · ca. 46 €
Wilde Himbeeren, Cassis, schwarze Kirschen – dann Pfingstrosen und nasser Kalkstein. Burgundische Eleganz aus dem Elsass: 0,32 Hektar, die beweisen, dass Pinot Noir Kalk braucht, nicht Prestige. Am Gaumen seidige Tannine, kühle Frucht, ein Finale, das nach Eisen und Erde schmeckt. Der Heimbourg-Boden enthält so viel Eisen, dass man es im Wein wiedererkennt.
Die Spitze: Grand Cru Brand & Rangen de Thann
Zwei Grand Crus, zwei Gesteinsarten, zwei Philosophien. Der Brand bei Turckheim: Granit, warm, üppig. Der Rangen de Thann: Vulkangestein, 68 Grad Neigung, der steilste Weinberg des Elsass. Émile Zind lieferte seine Weine bereits 1947 an das Hôtel de Paris in Monte Carlo. Die Qualität als Visitenkarte – das hat sich nicht geändert.
Riesling Brand Grand Cru 2022
Riesling · Grand Cru · ca. 80 €
Granit. Südlage. Biotit-Gestein, das in der Sonne glitzert. Der Brand ist Zind-Humbrechts Paradestück für Riesling – Tradition trifft moderne biodynamische Bewirtschaftung. Rauch, reife Mirabelle, Graphit – opulent im Duft, aber straff am Gaumen. Granit schmeckt man hier wie Salz im Brot. Zehn Jahre Lagerpotenzial, mindestens.
Gewürztraminer Rangen de Thann Clos-Saint-Urbain Grand Cru 2020
Gewürztraminer · Grand Cru · ca. 95 €
68 Grad Neigung. Vulkangestein. 5,5 Hektar über dem Städtchen Thann, wo die Reben in den Himmel wachsen. Der Rangen ist die steilste Weinbergslage des Elsass, und dieser Gewürztraminer ist ihr monumentalstes Zeugnis. Trocken, rauchig, mit einer Würze, die nicht von der Rebsorte kommt, sondern vom Vulkan. Ein Wein, der Gewürztraminer-Skeptiker bekehrt. Olivier Humbrecht beschreibt Biodynamik als „Therapie für die Reben, Stress zu vergessen" – am Rangen versteht man, was er meint.
Vom Pinot Blanc für 18 Euro bis zur Sélection de Grains Nobles aus dem Clos Jebsal. Jahrgänge zurück bis 2001. Wer das Elsass verstehen will, fängt hier an.
Alle Weine von Zind-Humbrecht →
P.S.: Sieben Weine, sieben Böden – und ein Glas, das den Unterschied hörbar macht. Das Zalto Universal ist dünn genug, um Granit von Vulkangestein zu unterscheiden. Mundgeblasen, spülmaschinenfest, 94 Euro für zwei.